Annemaykantenreit Konzert Plaza Zürich, 13. Mai 201

Annenmay AnnenMayKantenreit

  1. Mai 18:30

Es ist ein sonniger Mittwoch Abend, das Training mit den Junioren ist gerade beendet, da klingelt plötzlich mein Telefon. Mein Bandmitglieder Gianluca ist am Apparat. Ganz hastig und aufgeregt erzählt er mir, dass Heute Annemaykantenreit im Plaza auftreten würden und er noch 2 Gästelisten Plätze hätte, für ihn und mich. Dies kommt mir gerade recht. Nach dem intensiven Training mit den Kleinen ist dies der perfekte Ausklang, da dieser anstrengenden Spätnachmittag doch Energie kostete. Ich gehe also so schnell ich kann nach Hause, denn allzu viel Zeit habe ich nicht mehr bis zur Türöffnung. Zum Glück ist der Weg von mir zu Hause bis zum Plaza sehr kurz und deshalb werde ich auch rechtzeitig dort sein. Ich komme vor dem Plaza an und mich trifft beinahe der Schlag. Unglaublich wie viele Leute schon vor Ort sind. Ich verfolge Annemaykantenreit schon ein wenig länger und ging vor 3 Jahren an eines ihrer Konzerte, als sie noch nicht so populär waren wie Heute. Ich bin total überrascht, dass sich in 3 Jahren ein Publikum in Zürich um diese Dimensionen vergrößern kann. Ich drücke meine Zigarette aus und da kommt endlich auch Gianluca an. Wir gehen rein und sind ein weiteres mal überwältigt. Obwohl Annenmaykantenreit noch nicht auf der Bühne ist und eine witzige (nicht sonderlich gute) Vorband spielt, ist der erste Eindruck toll. Viele Bekannte, schöne und sympathische Gesichter sind zu sehen. Wir stellten uns eher auf eine ruhigere Vorstellung ein, sind jetzt aber der Meinung, dass Heute Abend noch ein wilder Abend werden könnte. Die Vorband sagt das letzte Lied an und springt nochmals wie wild auf der Bühne umher. Vom Text, welcher der Sänger singt, verstehe ich kein Wort. Allgemein ist seine Aussprache sehr schwer verständlich, deshalb weiß ich auch immer noch nicht was der Bandname ist, obwohl er es schon sicher fünf mal sagte. Der letzte Akkord erklingt und die Vorband verlässt die Bühne. Endlich ist es soweit, obwohl die Vorband erst gerade von der Bühne gegangen ist, geht das Licht schon wieder aus und ich spüre wie es warm wird in meinem Körper. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber ich verspüre immer kurz bevor das Konzert anfangt ein kribbeln und eine unglaubliche Wärme im Bauch. Jetzt kommen sie, zack, ohne große Spielchen stehen sie auf der Bühne. Drei Kölner. Alle Anfang 20. Alle mit einem Namen. Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit. Zusammen sind sie: AnnenMayKantereit.

 Sie machen Musik so wie sie ihnen gefällt. Das ist der Anspruch mit dem die junge Band angetreten ist und den sie konsequent umsetzt. Deshalb finde ich diese 3 Jungs auch so unglaublich toll. Sie lassen sich keineswegs beeinflussen und ziehen ihr Ding durch. Denn auf der Straße hat für die Drei alles angefangen. Mittlerweile sind sie dem Label „Straßenmusik“ aber entwachsen und bespielen Clubs und Festivals. Eine ihrer Spezielitäten sind ihre live Improvisationen. Auf der Bühne wird noch unfertiges Material weiterentwickelt und gefestigt. Das überrascht und macht jedes Konzert zu einem Unikat. Gesungen wird hauptsächlich auf Deutsch. Ohne Feuer, stattdessen mit Fingerspitzengefühl und den eigenen Erfahrungen geht es in ihren Liedern um Liebe, Freundschaft, Verlust, kurz und einfach gesagt: das Leben. Dabei variiert das musikalische Genre von Lied zu Lied, so wie die Stimmung jedes Stücks. Dies ist auch Heute wieder anzutreffen. Sie beginnen das Konzert mit ihrem größten Hit meiner Meinung nach. Das Lied heisst „Oft gefragt“ (https://www.youtube.com/watch?v=KG9-jSqXz4U). Henning May beginnt mit dem Klavier Intro und als er anfängt zu singen, ertönt im Saal ein enormer Klang. Der ganze Saal singt mit. Selten habe ich eine solche Atmosphäre erlebt. Von der ersten Sekunde an war das Publikum voll und ganz im Konzert und sangen lauthals mit. Den Musikern auf der Bühne ist die Freude deutlich an zu sehen und weil sie so verblüfft sind, sind auch 1-2 falsche Töne dabei, was aber überhaubt nichts ausmacht. Der erste Song ist vorbei und die Menge tobt. Eine gefühlte Ewigkeit nur Geschrei und Gejubel. Gianluca und ich können es genau so wenig wie Annen May und Kantenreit fassen. „Vielen Dank Zürich!“ schreit Henning May (der Frontman) durch das Mikrophon. „Vor 3 Jahren spielten wir auch schon in Zürich, damals aber vor 20 Leute. Vielen Dank seit ihr alle hier! Wir sind unglaublich glücklich“ und los geht es in den zweiten Song. Auch der nächste ist ein Klassiker. Wieder singt die Menschenmenge mit und die Band strahlt über alle Ohren. In der Mitte vom vierten Song kommen plötzlich mehrere Smartphones in die Höhe. Die Band hört sofort auf zu spielen und Henning schreit durch das Mikrophon: „RUNTER MIT DEISEN SCHEISS SMARTPHONES! Man muss die Musik im Moment fühlen und nicht später die Emotionen auf den Video Aufnahmen versuchen wieder zu finden!“ 1, 2, 3, 4 und weiter geht’s. Ebenfalls ein total skurilles Ereignis, welches mir so noch nie vor die Augen kam. Trotzdem fand ich die Aktion interessant und witzig. Der Höhepunkt am Konzert war für mich die Performance von „Barfuss am Klavier“ (https://www.youtube.com/watch?v=tERRFWuYG48). Nicht nur weil es mein Lieblingslied von Annenmaykantenreit ist, sondern auch weil die Band das gesamte Publikum auf die Bühne nahm um nochmals diese wunderbare Stimmung zu geniessen. Nach diesem Track war das Konzert dann auch vorbei. Gianni und ich drängelten uns an den Leuten vorbei, welche dummerweise die Jacke abgegeben haben. Draussen rauchen wir noch 2-3 Zigaretten und besprechen die Show. Wir beide sind enorm fasziniert. Einerseits vom dankbarsten Fanpublikum Zürichs und andererseits von der Ruhe und Individualität von Annenmaykantenreit. Ich denke wenig Bands auf dieser Welt bleiben so sehr ihrem Image treu. Wir beiden haben uns nicht viel erhofft vom Konzert und sind deshalb mit einem noch so einen postiveren Eindruck aus dem Plaza hinausgekommen. Das einzige Negative war, dass der Weg zur Bar dermassen verstopft war, dass man das ganze Konzert durch nichts zu trinken holen konnte. Deshalb ziehen Gianni und ich jetzt noch weiter, um unseren Durst zu löschen.

AMK_Foto

Aljoscha Caprez

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