J. Cole Komplex 457-30. April

Es ist Freitag der 30. April, wir kommen vor dem Komplex an und wie an jedem größeren Hip Hop Konzert stehen die Leute bis zur Strasse an. Es sind die verschiedensten Kulturen und Nationalitäten anwesend und alle verbindet die gleiche Musik, den gleichen Interpreten.

J.Cole welcher bei Roc Nation unter Vertrag ist und sein Debut mit Jay-Z gab, ist seit 2009 auf der Internationalen Bildfläche zu sehen. Sein lang erwatetes Album ‚Forrest Hills Drive’ hatte hohe Anforderungen zu erfüllen, diese erfüllte es nicht nur, sondern schoss weit darüber hinaus. Es ist das erste Hip Hop Album seit 1989 dass ohne Gastfeature Platin holte.

J.Cole der mit Wörtern spielt wie kein anderer, das ständige Statusgequatsche der heutigen Rapper weglässt, kritisiert der Kapitalismus, spricht über Selbstwahrnehmung, Kindheitserlebnisse, über Probleme, die leider noch immer nicht vollständig aus der Welt geschaffen wurden, nämlich Rassismus und kann eine einzigartige Dezenz in die Sexualität bringen, die er mit Metaphern umschreibt

Meine Freunde und ich standen also in der Schlange und warteten geduldig bis wir eintreten konnten. Mit einem Preis von 55.- hatten wir auch einige Erwartungen. Das grosse, geräumige Komplex, war mit Menschen vollgestopft und duftete schon jetzt schon stark nach Tabak, Alkohol und einer anderen Substanz.

Beinahe pünktlich kam der Supportact BAS auf die Bühne, welcher mit seinen Liedern wie Charles de Gaulle to JFK’ (https://www.youtube.com/watch?v=66bpPG7Ifs0) die Stimmung aufheizte. Bas der, wie man merkt, noch auf der Suche nach seinem Stil ist zeigte grosse Präsenz auf der Bühne und hatte das Publikum schon nach dem ersten Lied in seinen Bann gezogen. Nach einer guten halben Stunde performte er sein letztes Lied und übergab J. Cole mit einer herzlichen Umarmung die Bühne.

Keine grosse Lichtershow, kein Nebel, eine ganz simple Bühne, J. Cole bleibt wie in seinen Texten auch äusserlich auf dem Boden. J. Cole beginnt nicht mit einem Lied, nein, er erzählt seine Geschichte und gibt uns einen detaillierten Einblick in sein Leben, er erzählt über den Unterschied zwischen Hollywood und den Rest der Welt, wie Hollywood eine Scheinglücklichkeit zeige die mit Prunk und viel Geld dargestellt wird und stellt die Frage: „what do we have that they don’t got?-LOVE!“ Er erzählt wie er in einem Wohnwagenviertel aufgewachsen ist und später, wie er sein neues Album nennt, nach Forrest Hills Drive zog, er erzählt von Frauen die ihm das Herz brachen und über seine Mutter.

Mit Liedern wie ‚Lost Ones’ wurden auch die Day-One Fans befriedigt, die sicherlich auf alte Lieder hofften und nicht zu kurz kamen, sein neues Album aber, stand natürlich im Vordergrund. ‚G.O.M.D’ und ‚No Role Models’ (https://www.youtube.com/watch?v=6LpPoDTmhQA) hatten Moshpitpotential welches durch und durch ausgeschöpft wurde.

Die Soundanlage hielt auch diesen Basslastigen Tracks stand und es kam zu keinen Ton oder Technikproblemen, seine Stimme war perfekt verständlich. Wenn man die Augen schloss war der Unterschied zwischen eigentlichem Lied und der Liveperformance beinahe nicht zu unterscheiden.

Für war mich der schönste Moment als J. über seinen Vater sprach, die Zuschauer bat nicht zu tanzen, sondern nur seinen Texten zu horchen und performte das Lied ‚Love Yourz’ (https://www.youtube.com/watch?v=RTGTP514Bxw). Er sang dieses Lied mit solch Melancholie, dass die 400 Leute im Komplex zu absoluter Ruhe kamen.

Always gon‘ be a bigger house somewhere, but nigga feel me
Long as the people in that motherfucker love you dearly
Always gon‘ be a whip that’s better than the the one you got
Always gon‘ be some clothes that’s fresher than the ones you rock
Always gon‘ be a bitch that’s badder out there on the tours
But you ain’t never gon‘ be happy till you love yours

Nach diesem Lied bedankte er sich herzlich und beharrte nochmal auf den Wert der Liebe, der Familie und der echten Freund. Mit einer Sehnsucht lässt er seinen Blick nochmal über die Zuschauer schweifen….-„God bless“ und verlässt die Bühne.

Noch nie habe ich ein Hip-Hop-Konzert in solcher Stimmung verlassen, es hatte alles, Lieder wie man sich Hip Hop vorstellt, wenn alle herumspringen, ihre Hände in die Luft reissen und mitschreien, aber J. Cole hat eine Seriosität, Glaubwürdigkeit und vor allem Gefühle in dieses Konzert gebracht die mir nicht bekannt war. Die Kraft seiner technischen Schlichtheit aber psychologisch hochstehenden Texten, die live ein ganz neues Erlebnis waren, schlug mir mitten ins Gesicht. Ich lief enttäuscht aus dem Komplex, doch keineswegs weil mir das Konzert nicht gefiel, aber weil ich nach den zwei Stunden Konzert noch nicht genug hatte.

Vincent Braun

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