Orest von Manfred Trojahn Opernhaus Zürich (24.03.17)

Orest ist ein Musiktheater von Manfred Trojahn. Es ist die Fortsetzung von der Oper Elektra, die von Richard Strauss komponiert wurde. Orest verkörpert eine sehr komplizierte mythologische Figur, über welche es wenig Informationen gibt. Er ist der Bruder von Elektra. In dem Musiktheater geht es um den jungen Orest, der vom Kreislauf des Todes heimgesucht wird. Er bringt seine MutOOrest2ter um (von Elektra und Apollo beauftragt), nachdem die Mutter Orests Vater bzw. ihr Mann umgebracht hat. Elektra sehnt sich nach Rache, da die Mutter ihren geliebten Vater umgebracht hat. Elektra, krank vor Rache, plant den Tod der Mutter und ihres Liebhabers 8 Jahre lang. Orest spielt bei diesem Plan die Hauptrolle. Als er nach einem inneren Kampf die Mutter ermordet, sucht ihn immer wieder sein Schicksal und seine Schuld heim. Elektra und Apollo wollen, dass Orest weiter mordet, aber Orest will nicht mehr länger fremdbestimmt werden, doch immer wieder lässt er sich von Elektra leiten. Nach einem langen inneren Kampf, entschliesst sich Orest, sein Leben selbst zu bestimmen und seinem Schicksal zu entrinnen.

Als ich am 24. März das Zürcher Opernhaus besuchte, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich informierte mich nicht über die Geschichte von Orest, das Einzige, was ich wusste, war dass es ein düsteres Stück ist. Als ich wenige Minuten vor Beginn der Aufführung ankam, gab es die erste Überraschung: Normalerweise ist die Eingangshalle immer überfüllt, aber bei dieser Vorstellung war sie beinahe leer. Ebenfalls war der Altersdurchschnitt überraschend tief. Ich merkte schon nach den ersten Sekunden des Stückes weshalb das so war. Als das Musiktheater begann, war alles dunkel und still, doch dann ertönte ein schriller Schrei. Dieser Schrei kam von Klytämestra (Mutter von Orest). Nach diesem Schrei ertönte aus allen Richtungen des Saales Stimmen, die nach Orest riefen. Manche waren leise, manche Stimmen laut und durchdringend. Ich denke, dass wäre der Punkt gewesen, bei denen viele ältere Menschen gegangen wären, da es doch ziemlich gruselig war. Der Zuschauer wurde direkt in den Höhepunkt von der Oper der Elektra, was aber der Anfang von der Oper Orest ist, katapultiert. Die Oper begann mit der Szene, bei der Orest einen inneren Kampf mit sich selbst ausfechtet, da er seine Mutter umbringen soll, das aber nicht will. Schlussendlich unterwarf er sich dem Auftrag von Apollo und Elektra, und ermordet die geliebte Mutter.

OOrestUKlytemestra

Die vielen Rufe nach Orest symbolisieren das Schicksal, seinen inneren Kampf und die Schuldgefühle die ihn plagen, nachdem er die geliebte Mutter umgebracht hat. Immer wieder versucht er den Stimmen zu entkommen, doch sie suchen ihn fortwährend wieder heim. Mit dem Mord an der Mutter, ging jedoch Orests Kampf mit dem Schicksal nicht zu Ende, es begann. Die Rufe nach Orest sind ein Musikmittel, das immer wieder vorkommt, sobald es um das Morden und um seine Zukunft geht. Beinahe wahnsinnig erscheint Orest am Anfang des Stückes, doch sobald er die reine Hermione (Tochter von Helena und Menelaos) sieht, schöpft er Hoffnung auf ein besseres Leben. Hermione ist der einzige Charakter, welcher nicht von Rache und Mord geleitet wird, sondern moralisch handelt. Hermione hat eine der virtuosesten Singstimmen, welche bei den vielen Sprüngen, die sie singen muss, zur Geltung kommt. Orests Gesang wird mit Hilfe von Hermione klarer und weniger Wirr, aber immer wieder kommen die Schuldrufe zurück, bis er am Schluss die Rufe unterdrücken kann. Als Orest sich für ein Selbstbestimmtes Leben entscheidet, wird alles ruhig, es gibt keine Stimmen mehr, die ihn auffordern zu morden oder ihn an seinen Muttermord erinnern.

OOrestUHermione Richard Strauss verwendete das Heckelphon für die Oper Elektra. Manfred Trojahn verwendete ebenfalls dieses Instrument für Orest, um die Fortsetzung von Elektra zu demonstrieren. Ein Heckelphon ist ein Instrument das ähnlich wie eine Oboe funktioniert, nur ist es um einiges grösser und ist dementsprechend eine Oktave tiefer als eine Oboe. Orest ist eine moderne Oper. Die Musik ist sehr abwechslungsreich, sie wechselt zwischen dominanter Perkussion und zarten Streichern. Obwohl die Musik sehr brutal und laut sein kann, übertönt sie nie die Sänger. Der Gesang liegt im Vordergrund und wird von den Instrumenten lediglich unterstützt. Die Uraufführung von Orest war in Amsterdam 2011. Das Stück basiert auf der Freiheitsphilosophie des 20.Jahrhundert.

Das Konzert war sehr gut. Es war sehr spannend und inspirierend. Wenn dieses Musiktheater nochmals im Opernhaus aufgeführt werden würde, empfähle ich es Jedem. Es ist  düster und tiefgründig und man wird zum Denken angeregt. Jedoch würde ich jedem empfehlen, sich vorher über die Geschichte zu informieren. Es ist ein Musiktheater mit vielen komplizierten und spannenden Charakteren und es kann verwirrend sein, wenn man sich nicht vorher schlau macht. Leider habe ich mich vorher nicht informiert und habe während dem Konzert einiges nicht verstanden. Erst im Nachhinein wurden mir einige Szenen klarer und verständlicher.

Vanessa Ingold 20.05.17

 

 

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