Schumann Kulturblog Matthijs

9. Philharmonisches Konzert der Staatsoper Hamburg in der Elbphilharmonie am 13.05.2018

Schumann Konzertstück für vier Hörner und grosses Orchester op.86 unter Kent Nagano

Robert Schumann, 1810 in Zwickau geboren und 1856 gestorben, zählt heute zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik. Laut Schumann ist 1849 sein fruchtbares Jahr.Auch in diesem Jahr hat er das Konzertstück für Hornquartett und grosses Orchester geschrieben, welches ein Jahr später im Gewandhaus Leipzig uhraufgeführt wurde.

Dieses dreisätzige Konzertstück fordert die Solisten, vor allem aber dem Primarius, kaum zu bewältigende Schwierigkeiten ab. Besonders in den Ecksätzen muss der erste Hornist in Höhen, die auch für Trompeten nicht mehr in die bequeme Lage gezählt werden.

Das Stück beginnt mit einer Fanfare geballtem, romantischem Hornklang, der einem den Atem raubte. Das Quartett, bestehend aus Pascal Deuber*, Ralph Ficker*, Isaak Seidenberg* und Jonathan Wegloop* lieferten bei dieser Anfangsfanfare einen gewaltigen, kompakten Sound, der die ganze Elbphilharmonie füllte und dem Publikum Gänsehaut verpasste. Nach diesem ersten Motiv, folgt das zweite. Ein Motiv, das butterweich und leise gebunden wurde. Trotz des Dynamikunterschieds verlor der Klang nicht an Volumen. Zwischen den Pianopassagen tritt immer wieder das erste Motiv auf. Die Fanfare in seinem kernigen Klang. Schon bald kam die erste hohe Stelle für den Solohornisten, die er jedoch ohne jegliche Mühe bewältigte. Die Klangqualität verlor auch in der Höhe nicht an Intensität, es klang Mühelos.

Der zweite Satz konnten sich die Zuhörer wieder ein bisschen zurücklehnen. In diesem Satz verführten die Hornisten das Publikum mit einem warmen, saftigen Klang und einer ruhigen Melodie zum Träumen.

Diese Verschnaufpause dauerte jedoch nicht lange, denn schon bald leiteten die Trompeten den dritten Satz ein. Mit einem schnellen Tempo leitete Nagano die Hornisten durch alle Register hindurch. Die sechtzehntelläufe waren alle gestochen scharf, präzise und filigran. Alle hatten den gleichen Klang und die selbe abwechslungsreiche und feurige Artikulation. Die Hornisten verliehen diesem Satz eine unglaubliche Leichtigkeit wobei die Trefferquote der Töne bei hundert Prozent lag. Selbst die höchsten Töne wurden so angespielt, als würde man den Bullseye zentriert in die Mitte schiessen. Man spürte die Spielfreude und den Stolz so ein Werk in einem solchen Saal spielen zu dürfen. Auch in diesem Satz verwöhnten sie uns mit ihrer Perfektion, Klangqualität, unfassbarer Flexibilität und gesungenen Melodien, die jedoch nie den Charakter dieses Satzes verloren haben. Er sprühte vor übermütiger Laune. Die Hornisten wechselten sich mit dem Motiv ab, wobei das Orchester nie eine statische Rolle bekam. Dieses Stück ist ein Marathon für den Primarius, dies liess er sich jedoch nicht anmerken und als Kent Nagano gegen Ende das Tempo nochmal ankurbelte, schleuderten die vier Helden die Läufe mit einer erschreckenden Klarheit und Virtuosität hinaus. Die Schlusstakte zeigten nochmal die Weltklasse Leistung, die das Quartett ablieferte.

Das ganze Stück war ein Ohrenschmaus, vor allem für Hornisten. Man spürte die Spielfreude und den Spass den die Solisten hatten. Sie spielten mit einer Lockerheit in einer gefüllten Elbphilharmonie. Ihr einheitliches Spiel und ihr kompakter Klang war Hornsound vom feinsten. Alle den gleichen Klang, die selbe Artikulation, ihre Forte, Piani, Crescendi und Performace dieses Stückes ist unschlagbar. decrescendi gestalteten sie gleich. Sie sind alle Weltklasse Hornisten und ihre überzeugende Performance ist unschlagbar.

*) Pascal Deuber wurde 1992 im Schweizerischen Rheinfelden geboren und spielt seit seinem 6. Lebensjahr Horn. Nach seinem ersten Unterricht bei Heiner Krause und Stefan Ruf studierte er von 2012 bis 2016 bei Christian Lampert an der Musikschule Basel. Heute ist er Solohornist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg.

*) Isaak Seidenberg, 1976 in Ostenburg geboren erhielt seine musikalische  Ausbildung am Bachgymnasium Berlin bei Kurt Palm, bei dem er auch sein Studium an der Musikhochschule Hanns Eisler fortsetzte. Dieses schloss er bei Stefan Dohr ab. Seit 2002 ist er Hornist der Philharmonischen Staatsorchester Hamburg.

*) Ralph Ficker, wurde 1984 in den Niederlanden geboren. Er studierte an der Musikhochschule Maastricht bei Will Sanders und Willy Bessems. Seit August 2011 ist er zweiter Hornist und Wagnertubist des Philharmonischen Staatsorchesters.

*) Jonathan Wegloop, 1986 in Amsterdam geboren, lernte zunächst Geige und wechselte mit 10 Jahren zum Horn. Nach seinem Abitur studierte er bei Jacob Slagter am Amsterdamer Konservatorium, bei Fokke van Heel. Seit 2011 ist er Hornist des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.

Link zur Aufnahme: https://www.youtube.com/watch?v=GDfzKXQadYE

Elbphilharmonie 2.pngelbphilharmonie 1.pngElbphilharmonie3.png

Hinterlasse einen Kommentar