Brahms & Bernstein – Tonhalle Maag (23.03.2018)

Karim G. 2fM

Die Künstler 

Johannes Brahms (geb. am 7. Mai 1833) war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Mit 7 Jahren erhielt er seine erste Klavierstunde. Schnell zeigte sich sein Talent, das er wahrscheinlich von seinem Vater geerbt hatte, als Klavierspieler. Bis er dann seine ersten Stücke komponierte ging es auch nicht mehr lange und schon bald hatte er diese unter diversen Pseudonymen an die Öffentlichkeit gebracht. Bis zum Ende seines Lebens hatte er über 352 Werke verfasst. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass er einer der bemerkenswertesten Komponisten des 19. Jahrhundert ist.

Leonard Bernstein (geb. am 25. August 1918) war ein amerikanischer Dirigent, Pianist und Komponist. Aufgewachsen in einer jüdischen Migrantenfamilie, beschäftigte er sich schon früh in seinem Leben mit der Musik und war bereits als 25 jähriger 2ter Dirigent des New York Philharmonic Orchestra. Durch seine frischen Interpretationen berühmter Komponisten, wie zum Beispiel Mahler, machte er sich in der Musikgemeinschaft schnell einen Namen. Auch seine Eigenkompostionen werden heute, rund 28 Jahre nach seinem Tod, nicht selten gespielt.

Die Vorgeschichte

Als ich am Freitag, den 23. März, am Morgen in die Schule ging, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass ich rund 12 Stunden später in der Tonhalle ein Konzert hören würde. Nichts ahnend verbrachte ich den Tag also in der Schule, bis mich ein Kollege am Nachmittag auf die Aufführung ansprach. Brahms 2te und Bernsteins 2te, sagte er, würden sie spielen. Um ehrlich zu sein hatte ich zumindest von Brahms noch nie etwas gehört. Aber da ich mir seit dem Elias Konzert der Schule sogar des öfteren selbst Klassik anhöre, war ich offen und nutzte die Chance endlich einmal das Tonhalle Orchester live erleben zu dürfen. Und ausserdem hatte mich auch das Schwärmen meines Kollegen für die gespielten Werke überzogen mitzugehen.

So trafen wir uns am Abend bei der Maag Halle. Wir beide rechneten mit einem Studenten-Preis von 20 CHF. Kurz später kam dann der kleine Schock, denn es gab aus uns unbekannten Gründen keine Tickets mehr zu kaufen. Erst da realisierten wir auch, dass die Leute um uns, in Abendgarderobe gekleidet, wahrscheinlich etwas mehr Geld in ihrer Brieftasche hatten als wir und wir das mit den 20 CHF wahrscheinlich vergessen konnten. Schon mussten wir die Option, vielleicht wieder nach Hause gehen zu müssen, in Betracht ziehen. Zum Glück stolperten wir über eine sehr grosszügige, russische Frau, die uns Tickets von ihren Freunden, die nicht kommen konnten, anbot. Nach einer kurzen Verhandlung hatten wir es geschafft die Tickets, mit einem stolzen Wert von 115 CHF, für nur  50 CHF zu ergattern. Eigentlich hatte die Frau den Preis etwas höher angesetzt, doch sie fand dann schlussendlich doch, dass so junge, klassikinteressierte Schüler wie wir wichtig zur Erhaltung der “Fangemeinde“ seien.

Das Erlebnis

Von Aussen hätte ich nie gedacht, dass in einer solchen Einrichtung, zumindest des Umbaus der eigentlichen Tonhalle wegen, Klassische Musik gespielt wird. Das ganze Areal um die Hardbrücke, wirkt für mich nicht wie ein Ort für Klassische Musik. Aber kaum betritt man den Konzertsaal vergisst man all das wieder. Man ist aufgeregt, was für unbekannte Töne gleich durch die eigenen Ohren klingen werden. Beim Eintreten noch kurz in die Ricola Kisten gegriffen, geht es schon wenig später los und der Dirigent, David Zinman, betritt die Bühne. Alles wird nach dem Applaus ruhig, als der Dirigent seine rechte Hand hebt, um einen passenden Moment für den Anfang des ersten Satzes von Brahms 2ter zu finden.

Als die Musik zu spielen beginnt wird sofort alles anders. Für mich wirkte es als ob nun meine volle Aufmerksamkeit einzig und allein dem Orchester und dessen Harmonien galt. Die Zeit stand still und verflog gleichzeitig. Zeit wird nicht nur durch die Gravitation beeinflusst. Deren Empfindung konnte für mich auch durch das Hören des Konzerts verändert werden. Später hätte ich nie gedacht, dass ich wirklich 90 Minuten Musik gehört habe. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl das sich in mir breit machte. In diesem Moment vergass ich alles. Den ganzen Alltag, den Stress, all die Probleme, alles war weg.

Man widmet sich voll und ganz der Komposition. Der erste Satz laut und heiter, der zweite und der dritte etwas ruhiger und schwermütiger, der vierte dann als grosses Finale wieder laut, fröhlich aber dennoch sanft und manchmal sogar etwas träge. Brahms selber fasst die Symphonie folgendermassen zusammen: „Die Symphonie ist manchmal so melancholisch, dass Sie es nicht aushalten. Aber dann wieder klein, simpel und heiter“

Für mich ist es einfach ein unvorstellbarer Gedanke, dass all diese Schönheit und Ausgewogenheit aus nur einem Kopf entsprungen ist.

Hier ein Beispiel aus dem letzten Satz: https://www.youtube.com/watch?v=9ny6HjTHv80 (Die ersten Minuten genügen um ein Bild des Stücks zu bekommen). Leider ist die Aufnahmen nicht von mir, da ich selbst während des Konzerts, unter David Zinman (nicht wie Karajan in der Aufnahme), schlicht und einfach zu beschäftigt mit dem Geniessen der Musik war.

Bernsteins 2te Symphonie kam für mich nach Brahms Werk als völlige Überraschung und kompletter Kontrast. Dies war aber vielleicht auch genau die Absicht der Konzertorganisatoren. Um ehrlich zu sein war für mich, zumindest damals beim ersten Hören, Bernsteins Symphonie etwas zu abstrakt und fast schon nicht ganz harmonisch. Manchmal schien es mir als würden völlig willkürliche Töne gespielt werden. Aber eben wie gesagt glaube ich sehr stark, dass dies mit dem erwähnten Kontrast und der Tatsache, dass das Stück für mich völlig neu war, zu tun hatte. Ein Highlight war aber dann doch als ich erfuhr, dass Krystian Zimerman, den ich bisher nicht gekannt hatte und der die Symphonie mit Bernstein persönlich als junger Mann einstudiert und mit ihm gespielt hatte, auch der Solo Pianist war, den ich an diesem Abend zu Gesicht bekam.

Auch hier noch kurz ein Link zu einer Aufführung mit Krystian Zimerman als Pianisten und Bernstein als Dirigenten:  https://www.youtube.com/watch?v=Q-aU2Se1RHw

Das Fazit

Der Abend hat für mich völlig neue Türen eröffnet. Komponisten wie Mahler, Bruckner oder Dvorak haben, unter anderem durch diesen Besuch in der Tonhalle Maag, ihren Weg in meine Apple Music Library gefunden. Auch wenn David Zinman dies mit höchster Wahrscheinlichkeit nie lesen können wird, muss ich ihm ein riesiges Lob für den extrem gelungenen, gut geleiteten Abend aussprechen.

Einzig als störend empfand ich das ständige Husten, des eher älteren Publikums um mich. Ich denke auch die Ricolas sind als Vorbeugungsmethode gegen dieses Husten gedacht. Also möchte ich an dieser Stelle ältere Leser dazu ermutigen beim nächsten Konzertbesuch eine volle Hand der Ricolas zu nehmen und diese während dem Konzert, wenn möglich, die ganze Zeit zu lutschen.

Hier noch einige Bilder:

Konzertsaal vor der Aufführung (eigenes Bild)

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Saal nach dem Konzert (eigenes Bild)

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David Zinman (davidzinman.org)

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Krystian Zimerman (Hiromichi Yamamoto)

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