Die Träume von Miyazaki – Eine Reise in seine Filme durch Musik


Am 4. Dezember um 19.00 Uhr war ich in der Wasserkirche in Zürich zu einem Konzert des Ensemble sinfonietta Bern. Das Konzert trug den Titel „Die Träume von Hayao Miyazaki“ und war vollständig ausverkauft; trotzdem herrschte eine ruhige und konzentrierte Stimmung unter den Zuschauern. Die Kirche war ideal für diesen Abend, denn der Raum hat eine besondere Akustik, die besonders Streichmusik warm und klar erklingen lässt.

Wer ist das Ensemble sinfonietta Bern?

Das Ensemble sinfonietta Bern ist ein junges, kreatives Kammermusikensemble mit Sitz in Bern, Schweiz, das vor allem junge Talente fördert und mit internationalen Musiker:innen arbeitet. Ihr Hauptziel ist es, klassische Musik und zeitgenössische Musik in neuen Formen zu präsentieren und gleichzeitig junge Dirigent:innen und Solist:innen zu unterstützen. Die Gruppe besteht aus Musiker:innen, die sowohl gemeinsam im Ensemble spielen, als auch eigene Solokarrieren haben.

Das Ensemble arbeitet mit einem Team aus leidenschaftlichen Musikschaffenden. Dazu gehören:

  • Igor Andreev: Präsident des Vereins und musikalischer Leiter
  • Felicia Pașca: Orchestermanagerin
  • Kirill Zvegintsov: Dirigent und Vorstands mitglied
  • und Flurin Rüedlinger: Gründungsmitglieder, Dirigent und Pianist

Das Ensemble ist stark geprägt von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und musikalischen Hintergründen, was sich auch in ihrer Kunst widerspiegelt.

Das Konzert war eine musikalische Reise durch die Welt von Hayao Miyazakis Filmen, aber ohne Bilder oder Videoeffekte: nur mit Musik. Die ausgewählten Stücke stammten überwiegend aus den Originalsoundtracks von Joe Hisaishi, dem Komponisten, der Miyazakis Filme wie My Neighbor Totoro, Spirited Away oder Howl’s Moving Castle musikalisch geprägt hat.

Diese Musik ist sehr emotional und voller Erinnerungen für Menschen, die die Filme kennen. Es war spannend zu erleben, wie die Stücke auch ohne die Bilder funktionieren und ihre eigene Kraft entfalten. Während dem Konzert fühlte ich mich sofort in eine andere Welt versetzt, wie in eine Reise durch die Studio Ghibli Filme

Das gesamte Konzert wurde ausschliesslich mit Streichinstrumenten gespielt, nämlich mit einem Cello, zwei Violinen und einer Bratsche. Trotz der kleinen Besetzung klang die Musik sehr voll, warm und emotional. Jeder einzelne Klang schien bewusst gespielt zu werden, und obwohl es nur vier Instrumente waren, wurde nie das Gefühl vermittelt, es wäre zu wenig.

Das Konzert dauerte etwa 1 Stunde und 15 Minuten. Der Programmablauf war abwechslungsreich und gut durchdacht. Hier ein Überblick über die gespielten Stücke:

  • Joe Hisaishi – Summer (Kikujiro’s Summer)
  • Joe Hisaishi – Kiki’s Delivery Service
  • Joe Hisaishi – Path of the Wind (My Neighbor Totoro)
  • Joe Hisaishi – One summer day (Spirited Away)
  • Ikue Asazaki – Obokuri-Eeumi (Samurai Champloo)
  • Joe Hisaishi – Howl (Howl’s Moving Castle)
  • John Cage – In a Landscape
  • Joe Hisaishi – Legend of Ashitaka (Princess Mononoke)
  • Joe Hisaishi – Carrying You (Laputa: Castle in the Sky)
  • Joe Hisaishi – Nausicaä (Nausicaä of the Valley of the Wind)
  • Joe Hisaishi – The Sixth Station (Spirited Away)
  • Joe Hisaishi – Totoro (My Neighbor Totoro)

Ein besonders prägender Moment des Konzerts war das Stück „Howl“ aus Howl’s Moving Castle. Bereits mit den ersten Tönen wusste ich sofort, um welches Lied es sich handelte. Diese Melodie ist eines der bekanntesten und beliebtesten Werke von Joe Hisaishi. Obwohl die Musik nur von Streichinstrumenten gespielt wurde, hatte ich sofort Bilder aus dem Film im Kopf. Das Stück wirkte sehr emotional und erzählerisch und zeigte deutlich, wie stark Filmmusik auch ohne Bilder funktionieren kann

Obwohl die Kirche voll war, herrschte Ruhe. Jeder Ton wurde aufmerksam gefolgt. Ich persönlich hatte zuerst nicht erwartet, dass ein Konzert mit nur vier Streichern so laut und umfangreich tönen kann, aber genau das ist passiert. Die Musik hat eine eigene Sprache. Sie spricht nicht mit Worten, sondern mit Gefühlen. Manche Passagen waren weich und beruhigend, andere melancholisch; als würde man durch verschiedene Stimmungen einer Geschichte reisen.

Was ich an der sinfonietta Bern besonders interessant finde, ist, dass sie nicht nur klassische Konzerte machen, sondern mit unterschiedlichsten Musikstilen und Projekten experimentieren. In der letzten Zeit haben sie zum Beispiel Programme gespielt wie; Musik von den James Bond Filme, Der Soundtrack von Lord of the Rings „Tribute to Howard Shore”. Diese Vielfalt zeigt, dass das Ensemble nicht nur traditionelle klassische Musik spielt, sondern verschiedene Genres miteinander verbindet, um neue Zuhörer*innen zu erreichen und klassische Musik erlebbar zu machen.

Für mich war dieses Konzert etwas Besonderes, weil es zeigte, wie stark Musik allein wirken kann. Besonders beeindruckt hat mich die Verbindung zwischen den Musiker*innen und dem Raum: Die kurze Stille zwischen den Stücken und die Genauigkeit, mit der gespielt wurde, machten den Abend zu einem tollem Erlebnis. Es war kein lauter, dramatischer Auftritt, sondern eher ein feinfühliger Zugang zur Musik, der mich noch lange nach dem Konzert beschäftigt hat. Ich konnte einzelne Melodien immer wieder im Kopf hören; besonders die, die mit den Filmen die ich kenne, gebunden sind.

Das Konzert „Die Träume von Hayao Miyazaki“ mit dem Ensemble sinfonietta Bern war für mich mehr als nur ein Konzertbesuch. Es war eine Reise durch Emotionen und Erinnerungen. Die Kombination aus klassischer Streichmusik und Filmmusik hat gezeigt, dass Musik Grenzen überschreiten kann: zwischen Genres, zwischen Künstler*innen und zwischen Zuschauer*innen und Musik. Dieses Konzert war eine Erfahrung, die mich nachdenklich zurückliess und mir noch lange im Ohr geblieben ist.

– Yana Bostock, 2fM, 22.01.2026

https://www.sinfoniettabern.ch

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