Lil Tracy live in Zürich – Zwischen Melancholie und Moshpits. 11 November 2025, X-TRA Zürich

Am 11.11.2025 besuchte ich das Konzert von Lil Tracy im X-TRA, als er einen Stop auf seiner World Tour in Zürich machte. Schon vor Beginn des Konzertes spürte man eine besondere Atmosphäre, da dies das erste und bis jetzt auch einzige Konzert von Lil Tracy in Zürich war und die ganze Halle gespannt und voller Vorfreude auf Lil Tracy wartete.

Tour Plakat

Lil Tracy, bürgerlich Jazz Ishmael Butler, wurde 1995 in Teaneck, New Jersey, geboren, wuchs in Virginia Beach auf und zog später nach Los Angeles. Mit 14 begann er Drogen zu nehmen, mit 15 ließ er sich ein Gesichtstattoo stechen, er wurde wegen Drogenverkaufs und Vandalismus verhaftet und von der Schule verwiesen. Er lief von zu Hause weg, war zeitweise obdachlos und kämpfte mit Depressionen, gesundheitlichen Problemen und später mit der harten Realitäten des Lebens mit Ruhm. Er startete 2014 seine Karriere zusammen mit Lil Peep und der GothBoiClique, einer Gruppe, die Trap-Elemente mit Punk-, Emo- und Rock-Samples verband. Sie waren bekannt dafür, melancholische, introspektive Texte mit dunkler, emotionaler Ästhetik zu kombinieren, wodurch sie massgeblich zur Popularisierung des Emo-Rap beitrugen. Er und Lil Peep verband nicht nur ihre schnell bekanntwerdende Musik, sondern auch eine enge Freundschaft. Der tragische Tod von Lil Peep 2017 war somit sehr erschütternd und einschneidend für Lil Tracy. Die Verbindung zwischen ihnen wurde auch auf dem Konzert klar, da neben gemeinsamen Liedern schon bevor Lil Tracy auf der Bühne kam Lieder von Lil Peep gespielt wurden. Bei Lil Peeps traurigen Liedern wurde der Saal ruhig, alle sangen mit oder filmten. Es war eine Art Gedenken an Lil Peep, welches dem Konzert etwas sehr Emotionales verlieh.

Lil tracy
Star Shopping Lil Peep

Wie der Titel des Stils Emo-Rap schon verrät, spiegeln die Lieder, und ihre Sänger, wie auch Lil Tracy, die Emo-Ästhetik wider. Dazu gehören z. B. auch viele Tattoos und Piercings. In Lil Tracy’s texten erzählt er von inneren Konflikten, einem harten Leben, Depressionen, Drogenmissbrauch, Partys, Geld, einem ausgelebten Liebesleben. Diese teilweise eher emotionalen Texte werden durch aggressiven und vulgären Rap, melodische Hooks und spannende Beats lebendig gemacht. So wirken die Songs traurig, wütend oder prahlend. Gleichzeitig lädt die Musik zum Mitfiebern ein. Besonders beim Emo-Rap ist diese Kombination aus traurigen Lyrics und energetischer Performance typisch. Die Musik lebt von diesem Kontrast, sie ist düster, emotional und gleichzeitig melodisch und aggressiv.

Beispiele zu Lil Tracys Texten:

True Religion jeans, pockets full of cocaine

Tattoos on my face, I’ma die this way (Pain)

In high school, I was a loser                                                                                                            

I was a reject, I was a poser

Multiple personalities, I‘m bipolar I swear, I mean well, I‘m still goin‘ to hell (Witchblades)

I got Gucci on me now, hop off stage, groupies ‚round

But my soul still cry, gems fall out my eyes

I’m a souljah, I’m gon‘ ball ‚til I die (Souljahwitch’s faith)

Die Bühne war minimalistisch, mit nur einem kleinen Bühnenbild, aber das dunkle, meist rote Licht passt perfekt zu Lil Tracys Emo-Rap-Ästhetik. Zu Beginn des Konzertes waren alle sehr aufgeregt und gespannt darauf wie das Konzert wird, keiner wusste welche Lieder er spielen wird und so war jedes Lied eine Überraschung bei der alle laut jubelten. Der Bass war laut, was zu seiner Musik passt, doch man hörte so teilweise den Gesang nicht klar. Mir gefiel der laute Bass sehr, da man ihn körperlich durch ein vibrieren spürte und das zusammen mit der Atmosphäre des Konzerts ein berauschendes Erlebnis war. Neben echtem Gesang gab es auch sehr viel Playback, was mich natürlich enttäuschte, aber womit man rechnen muss. Lil Tracy kam 30 Minuten später auf die Bühne als angekündigt, aber durch das Abspielen passender Songs vom DJ und einen längeren Auftritt des Voracts wurde das gut überspielt. Die Performance von Lil Tracy und seinem Voract war energievoll und hat eine super Stimmung verbreitet. Das Publikum sang, sprang, tanzten wild und bildete grosse Mospiths. Das wilde Rumgetobe und das Freilassen von Energie zu meiner Meinung nach super Musik habe ich sehr genossen, obwohl das Herumgeschubse in den Moshpits und das ständige Springen gegen Ende sehr anstrengend wurden. Durch die teilweise traurigen Texte entstand eine melancholische, aber dennoch leichte Stimmung, die alle teilten und das Konzert besonders emotional und für mich unvergesslich machte. Am Ende des Konzerts wollte niemand gehen, und es wurde laut „one more song!“ gerufen. Die kleine Clubhalle vom X-TRA hatte eine perfekte Grösse, um die Atmosphäre und den Klang einzufangen und Platz zu lassen, um von oben auf das Geschehen hinabzublicken.

Walk away as the door slams
White Tee

Mein Fazit:
Ich habe die Mischung von wilder Energie und Emotionen in der kleinen Halle sehr genossen und finde sein erstes Konzert in der Schweiz war ein voller erfolg

Bericht von Charlotte Schubert

Ein Kommentar

  1. Danke für deinen Beitrag!

    Sehr gut hat mir gefallen, wie du dienen Beitrag strukturiert hast. Du schaffst es, deine Leser in den Bann zu ziehen und du schreibst so, dass der Beitrag immer spannend bleibt. Auch hat der Text eine gute länge.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Ariel Antwort abbrechen